OREST

NEUE UND WAHRSCHEINLICH LETZTE SPIELZEIT!!! Komische Oper Berlin

Herbst2007

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Seit Anfang des Jahres 2006 arbeiten Oljég Matrosov (Bandleader und Balalaikist von Apparatschik) und Juri Baján (Bajanist von Apparatschik) bei der Inszenierung von Orest an der Komischen Oper Berlin mit.

In der modernen Inszenierung der Barock-Oper spielen die beiden Jungs auf der Bühne szenisch mit: zwei wodkafeste Schwarzmeer-Matrosen von der Krim begleiten mit Akkordeon und Balalaika die Rezitative der Oper!
Der Fernsehsender 3sat hat »Orest« aufgezeichnet und sendet den Mitschnitt am Samstag, 19. August 2006 um 20:15 Uhr.


...Video

Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel
Libretto von Gianguelberto Barlocci
Deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze

Musikalische Leitung... Thomas Hengelbrock
Inszenierung... Sebastian Baumgarten
Bühnenbild... Robert Lippok, Ronald Lippok
Kostüme... Valerie von Stillfried
Lichtgestaltung... Franck Evin
Video... Stefan Bischoff

Orest... Charlotte Hellekant
Hermione... Valentina Farcas
Iphigenie... Maria Bengtsson
Pylades... Finnur Bjarnason
Thoas... James Creswell
Philoktet... Maria Streijffert
Artemis... Carolin Mylord

Akkordeon...Juri Baján
Balalaika...Oljég Matrosov

Uraufführung 1734 - Berliner Erstaufführung am 26. Februar 2006

Als Pasticcio, zu deutsch: Pastete, bezeichnet man Opern, für die aus bereits existierenden Werken Arien entlehnt und zur Vertonung eines neuen Librettos zusammengestellt werden. Für den 1734 uraufgeführten »Orest« fügte Händel die schönsten Arien aus nicht weniger als neun seiner zwischen 1720 und 1732 entstandenen Opern zu einer musikalischen Delikatesse zusammen. Dieses für die Barockoper und vor allem für Händel durchaus typische Verfahren lässt sich mit dem klassisch-romantischen Werkbegriff nicht vereinbaren, sondern entspricht eher Kategorien des späten 20. Jahrhunderts, die sich unter dem Schlagwort des »offenen Kunstwerks« zusammenfassen lassen. In seiner ersten Arbeit für die Komische Oper Berlin wird sich der Regisseur Sebastian Baumgarten dem Werk eben von dieser formalen Seite her nähern. Gemeinsam mit Thomas Hengelbrock wird er in Händels Pasticcio die Sicht freilegen auf die zeitgemäße Thematik des Stücks um den Muttermörder Orest, der, vom Wahn verfolgt, auf Tauris landet. Dort trifft er auf seine totgeglaubte Schwester Iphigenie, die vom Tyrannen Thoas gezwungen wird, alle Fremden zu töten. Erst spät erkennen sich die Geschwister, doch gemeinsam mit ihren Gefährten gelingt es ihnen, die Gewaltherrschaft Thoas’ zu brechen und zu entkommen. Flucht, Fremdenhass und Diktatur sind die zentralen Problemfelder der aus der griechischen Mythologie entlehnten Handlung. Mit der Aktualität des Stoffes und der Form wird Händels bemerkenswerte Modernität erneut erfahrbar.

››› Die Da-capo-Arie der Barockoper ist ein Phänomen, das der dramatischen Entwicklung eigentlich entgegensteht. Sie ist Beispiel für eine Diskontinuität, die in der Musik sehr gut, im herkömmlichen Musikdrama eher schlecht funktioniert. Daraus ein Spielprinzip zu entwickeln, ist die Hauptaufgabe der szenischen Arbeit. Sebastian Baumgarten

Der Fernsehsender 3sat hat »Orest« aufgezeichnet und sendet den
Mitschnitt am Samstag, 19. August 2006 um 20:15 Uhr.

Pressestimmen ...

Das eigentliche Wunder der Aufführung freilich ist der geschliffen perlende Klang, den Thomas Hengelbrock am Pult zaubert. Das Orchester der Komischen Oper Berlin sitzt nicht im Graben, sondern wie bei Brecht hinten auf der Bühne. Die Spielfläche ist nahe gerückt an den Zuschauer. So versteht man fast jedes Wort. Exzellente junge Sänger-DarstellerInnen stützen das Konzept.
(Neue Zürcher Zeitung)

Im Grunde ist die ganze Produktion eine fachgerechte Händel-Hausschlachtung. Baumgarten und Hengelbrock zerlegen das Pasticcio in Einzelteile und lassen ihm das Handlungsfett aus, bis nur noch Knochen und Sehnen übrig bleiben – immer auf der Suche nach dem blutigen Kern des Stoffes. Kein angenehmer Abend, aber so packend hat schon lange keine Regiearbeit mehr in den Widersprüchen der Operngattung gewühlt.
(Die Zeit)

Ein Genie klaut bei sich selbst: Orest – Händels Greatest Hits.
(Der Tagesspiegel)

Russendisko barock. Ein radikales Händel-Update ... Sehenswert ist das allemal. Die Komische Oper profiliert sich hierdurch als einziges Berliner Opernhaus, von dem musiktheatralische Impulse ausgehen.
(rbb Kulturradio)

Endlich wieder ein Lichtblick im Berliner Opernödland! Eine Rarität – und diese in jeder Hinsicht in einer scharf pointierten Interpretation. Auf der Bühne der Komischen Oper treibt Thomas Hengelbrock das Orchester des Hauses an (…) Beziehungsreich bemüht Sebastian Baumgartens Inszenierung Motive des antiken Schreckens: per Video, auf dem eine Schlächterin an der großen Schüssel hantiert, wird auf die schier unendlich blutrünstige, kannibalische und von Menschenopfern durchzogene Familiengeschichte der Tantaliden und Atriden angespielt.
(Südwestrundfunk)