OREST NEUE UND WAHRSCHEINLICH LETZTE SPIELZEIT!!! Komische Oper Berlin Herbst2007
05. Oktober 12.Oktober 20. Oktober 31. Oktober 09. November
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Seit Anfang
des Jahres 2006 arbeiten Oljég Matrosov (Bandleader
und Balalaikist von Apparatschik) und Juri Baján
(Bajanist von Apparatschik) bei der Inszenierung von Orest an
der Komischen Oper Berlin mit. In
der modernen Inszenierung der Barock-Oper spielen die beiden Jungs auf
der Bühne szenisch mit: zwei wodkafeste Schwarzmeer-Matrosen von
der Krim begleiten mit Akkordeon und Balalaika die Rezitative der Oper! Oper
in drei Akten von Georg Friedrich Händel Musikalische
Leitung... Thomas Hengelbrock Orest...
Charlotte Hellekant Akkordeon...Juri
Baján Uraufführung
1734 - Berliner Erstaufführung am 26. Februar 2006 Als
Pasticcio, zu deutsch: Pastete, bezeichnet man Opern, für die aus
bereits existierenden Werken Arien entlehnt und zur Vertonung eines
neuen Librettos zusammengestellt werden. Für den 1734 uraufgeführten
»Orest« fügte Händel die schönsten Arien
aus nicht weniger als neun seiner zwischen 1720 und 1732 entstandenen
Opern zu einer musikalischen Delikatesse zusammen. Dieses für die
Barockoper und vor allem für Händel durchaus typische Verfahren
lässt sich mit dem klassisch-romantischen Werkbegriff nicht vereinbaren,
sondern entspricht eher Kategorien des späten 20. Jahrhunderts,
die sich unter dem Schlagwort des »offenen Kunstwerks« zusammenfassen
lassen. In seiner ersten Arbeit für die Komische Oper Berlin wird
sich der Regisseur Sebastian Baumgarten dem Werk eben von dieser formalen
Seite her nähern. Gemeinsam mit Thomas Hengelbrock wird er in Händels
Pasticcio die Sicht freilegen auf die zeitgemäße Thematik
des Stücks um den Muttermörder Orest, der, vom Wahn verfolgt,
auf Tauris landet. Dort trifft er auf seine totgeglaubte Schwester Iphigenie,
die vom Tyrannen Thoas gezwungen wird, alle Fremden zu töten. Erst
spät erkennen sich die Geschwister, doch gemeinsam mit ihren Gefährten
gelingt es ihnen, die Gewaltherrschaft Thoas’ zu brechen und zu
entkommen. Flucht, Fremdenhass und Diktatur sind die zentralen Problemfelder
der aus der griechischen Mythologie entlehnten Handlung. Mit der Aktualität
des Stoffes und der Form wird Händels bemerkenswerte Modernität
erneut erfahrbar. ›››
Die Da-capo-Arie der Barockoper ist ein Phänomen, das der dramatischen
Entwicklung eigentlich entgegensteht. Sie ist Beispiel für eine
Diskontinuität, die in der Musik sehr gut, im herkömmlichen
Musikdrama eher schlecht funktioniert. Daraus ein Spielprinzip zu entwickeln,
ist die Hauptaufgabe der szenischen Arbeit. Sebastian Baumgarten Der
Fernsehsender 3sat hat »Orest« aufgezeichnet und sendet
den Pressestimmen
... Im
Grunde ist die ganze Produktion eine fachgerechte Händel-Hausschlachtung.
Baumgarten und Hengelbrock zerlegen das Pasticcio in Einzelteile und
lassen ihm das Handlungsfett aus, bis nur noch Knochen und Sehnen übrig
bleiben – immer auf der Suche nach dem blutigen Kern des Stoffes.
Kein angenehmer Abend, aber so packend hat schon lange keine Regiearbeit
mehr in den Widersprüchen der Operngattung gewühlt. Ein
Genie klaut bei sich selbst: Orest – Händels Greatest Hits. Russendisko
barock. Ein radikales Händel-Update ... Sehenswert ist das allemal.
Die Komische Oper profiliert sich hierdurch als einziges Berliner Opernhaus,
von dem musiktheatralische Impulse ausgehen. Endlich
wieder ein Lichtblick im Berliner Opernödland! Eine Rarität
– und diese in jeder Hinsicht in einer scharf pointierten Interpretation.
Auf der Bühne der Komischen Oper treibt Thomas Hengelbrock das
Orchester des Hauses an (…) Beziehungsreich bemüht Sebastian
Baumgartens Inszenierung Motive des antiken Schreckens: per Video, auf
dem eine Schlächterin an der großen Schüssel hantiert,
wird auf die schier unendlich blutrünstige, kannibalische und von
Menschenopfern durchzogene Familiengeschichte der Tantaliden und Atriden
angespielt.
Der Fernsehsender 3sat hat »Orest« aufgezeichnet und sendet
den Mitschnitt am Samstag, 19. August 2006 um 20:15 Uhr.
Libretto von Gianguelberto Barlocci
Deutsche Textfassung von Bettina Bartz und Werner Hintze
Inszenierung... Sebastian Baumgarten
Bühnenbild... Robert Lippok, Ronald Lippok
Kostüme... Valerie von Stillfried
Lichtgestaltung... Franck Evin
Video... Stefan Bischoff
Hermione... Valentina Farcas
Iphigenie... Maria Bengtsson
Pylades... Finnur Bjarnason
Thoas... James Creswell
Philoktet... Maria Streijffert
Artemis... Carolin Mylord
Balalaika...Oljég
Matrosov
Mitschnitt am Samstag, 19. August 2006 um 20:15 Uhr.
Das eigentliche Wunder der Aufführung freilich ist der geschliffen
perlende Klang, den Thomas Hengelbrock am Pult zaubert. Das Orchester
der Komischen Oper Berlin sitzt nicht im Graben, sondern wie bei Brecht
hinten auf der Bühne. Die Spielfläche ist nahe gerückt
an den Zuschauer. So versteht man fast jedes Wort. Exzellente junge
Sänger-DarstellerInnen stützen das Konzept.
(Neue Zürcher Zeitung)
(Die Zeit)
(Der Tagesspiegel)
(rbb Kulturradio)
(Südwestrundfunk)